Das Qualifikationsprofil 4.0: Wenn Innovationssprünge die eigenen Mitarbeiter überholen…



Das Qualifikationsprofil von Mitarbeitern in digitalisierten Unternehmen unterscheidet sich grundlegend von dem analoger Organisationen. Während althergebrachte schwäbische Tugenden wie Disziplin, Fleiß und Struktur ohne Frage erfolgversprechend sind für konventionelle Unternehmen und artige, einfach zu konditionierende Mitarbeiter mit „Hundenatur“ oftmals die beste Wahl darstellen, verhält es sich mit Digitalunternehmen in etlichen Aspekten konträr. Hier sind „Katzennaturen“ gefragt. Widerspenstige, nur schwer mit gewohnten Mitteln zu konditionierende Freigeister, die vielmehr zur Auflehnung, ja gar zur Rebellion gegen Chef und Management neigen und nicht zögern, mit Verbesserungsvorschlägen direkt in die Chefetage zu rennen und im Zweifelsfall einfach kündigen, wenn ihnen nicht der erwartete Respekt erwiesen wird.

Zur direkten Integration von Lern- und Qualifizierungsmöglichkeiten in Arbeitsprozesse

Prozessintegrierte Lernmöglichkeiten sind das Mittel der Wahl wenn es darum geht, das Konzept des „Learning by doing“ mit alltäglichen Abläufen im Betrieb zu verschmelzen. Die Implementierung einer „Kultur des Scheiterns“ als fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie zählt mit zu den wichtigsten Aspekten bei der Etablierung digitaler Transformationsfähigkeit, denn Pioniergewinne können ihrer Natur nach am wahrscheinlichsten dort realisiert werden, wo Unsicherheit herrscht und keine Case Studies von Early Adoptern oder aussagekräftige Benchmarks zu relevanten KPIs zur Verfügung stehen; sprich brandneuen sozialen Plattformen, Werbeformen oder Produkten.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und häufig als Einziger, denn digitale Trends flachen schneller ab, als sie gekommen sind, und nachdem bspw. eine Marketingstrategie erst einmal ihren Peak erreicht hat – man denke an dieser Stelle an Clickbait Headlines, die von der Huffington Post und Heftig zum eigenen Geschäftsmodell ernannt wurden und mittlerweile von Google sogar mittels semantischer Erkennung durch spezielle Algorithmen bekämpft werden – finden Nachzügler häufig nur noch Schutt und Asche vor, wo einst hochwertiger Traffic gechannelt wurde.

Umso wichtiger ist es, einen fixen Teil der monatlichen Arbeitszeit für ergebnisoffene Experimente einzuplanen. Zudem erklärt es sich von selbst, dass für experimentelle Kampagnen auch ein adäquates Marketingbudget zur Verfügung gestellt werden muss. Von elementarer Bedeutung ist hierbei die saubere Formulierung von Hypothesen mittels Frameworks wie dem RACE-Template. Es muss sichergestellt werden, dass „ergebnisoffen“ auch genau das meint: Wenn dein Personal Angst davor hat, für Experimente vorgesehenes Budget „zu verbrennen“, ist dein Unternehmen bereits zum Scheitern verurteilt.

Solange Kampagnen nicht vollkommen planlos im Blindflug gefahren werden, kann eigentlich immer mit wertvollen Insights gerechnet werden. Dass Kampagnen sofort im ersten Durchlauf positiven ROI generieren, ist Utopie, von der sich schleunigst verabschiedet werden sollte. Die ausgeklügeltste Marketingkampagne bedarf nach erstem Testlauf in der Regel einem Finetuning und Erkenntnisse, die sich aus wirklichen Fails ableiten lassen, liefern ebenfalls einen gewissen Wertbeitrag. Der Buchungssatz „Daten an Kasse“ wird früher oder später jedenfalls Einzug in Standardwerke der Fachliteratur erhalten, davon bin ich zu 100% überzeugt.

 

 

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